Weißkirch bei Schäßburg an der Großen Kokel ist als sächsische Siedlung zweimal gegründet worden. Das erste Mal im 13. Jahrhundert und das zweite Mal vor über 100 Jahren. Wieso erfolgte die Zweitbesiedlung im Jahre 1899?
Die erste sächsische Gründung
Die ursprüngliche Siedlung wurde im Zuge der deutschen Kolonisation Siebenbürgens am Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet. Die Ortschaft wird erstmals im Jahre 1231 als „Alba ecclesia" erwähnt und befand sich im Besitz der Adligen Conrad und Daniel, Söhne des Johann Latinus, der außer grundherrschaftlichen Besitzungen einen ausgedehnten Fernhandel betrieb.
Weißkirch dürfte somit wie viele Gemeinden des Zwischenkokelgebietes von Anfang an eine grundherrschaftliche, auf Komitatsboden gelegene Ortschaft gewesen sein. Sie gehörte dem Albenser, später dem Oberalbenser Komitat an, das aus lauter Enklaven bestand, die verstreut zwischen freien Gemeinden des Königsbodens lagen.
Die Weißkircher erfreuten sich somit nicht der Privilegien der freien Bewohner des Sachsenbodens. Sie waren ihren Grundherren unterstellt und zur Leistung von Abgaben verpflichtet.
Die Haller-Familie und das Schloss
Nach dem Geschlecht des Johann Latinus war Weißkirch nacheinander im Besitz mehrerer sächsischer Erbgrafen. Auch die Mönche des Schäßburger Dominikanerklosters besaßen zeitweilig die Hälfte von Weißkirch und die dortige, an der Kokel gelegene Mühle.
Im Jahre 1552 erwarb Peter Haller, der bekannte Sachsengraf und Unternehmer, Weißkirch. Die Haller stammten aus Nürnberg und haben mit ihren dortigen Anverwandten jahrhundertelang die Verbindung aufrecht gehalten. In Siebenbürgen sind sie bereits in der zweiten Generation in den ungarischen Adel aufgestiegen.
In Weißkirch errichteten sie im 17. Jahrhundert ein prunkvolles Schloss, zu dem später ein Park mit exotischen Pflanzen, eine Orangerie und ein Treibhaus hinzukamen. Die Ruine des Schlosses wurde in den 1950er Jahren niedergerissen.
Wehrkirche, Reformation und das Erlöschen der Sachsen
Die Sachsen von Weißkirch gehörten nach ihrer Ansiedlung kirchlich dem Kisder (Keisder) Kapitel an. Die jetzige, in der Ortsmitte stehende reformierte Kirche bauten sie wahrscheinlich anstelle eines älteren „weißen" Kirchleins im Jahre 1440, wie eine Inschrift über dem Portal bezeugt.
Wie der heute noch stehende Turm erkennen lässt, war es eine Wehrkirche, die auf einer kleinen Anhöhe stand. Auf einer Zeichnung aus dem Jahre 1818 ist unter dem Turmdach der für sächsische Kirchenburgen charakteristische, offene Wehrgang sichtbar.
Wie auch in anderen Gemeinden der Umgebung erlischt in Weißkirch Ende des 16. oder spätestens Anfang des 17. Jahrhunderts die sächsische Einwohnerschaft. In der Gemeinde lassen sich rumänische Bauern nieder. Später entsteht auch eine Zigeunerkolonie. Am Hofe der Haller waren ungarische Verwalter und Dienstpersonal beschäftigt.
Wie der heute noch stehende Turm erkennen lässt, war es eine Wehrkirche, die auf einer kleinen Anhöhe stand.
Über die Wehrkirche · erbaut 1440Die Schlacht von 1849 und der Tod Petőfis
In der Ebene zwischen Schäßburg und Weißkirch fand am 31. Juli 1849 die entscheidende Schlacht zwischen dem ungarischen Revolutionsheer unter General Josef Bem und einem russischen, gegenrevolutionären Interventionsheer unter General Lüders statt.
In dieser Schlacht wurden die Ungarn nicht nur geschlagen, sondern verloren auch ihren bekannten Dichter Sándor Petőfi. In der Schlacht fiel auch der deutsche Publizist Anton Kurz, der sich dem ungarischen Heer in Kronstadt angeschlossen hatte.